Letzte Ruhe

Im Rahmen von 48 Stunden Neukölln zum Thema „Urbane Stille“, Gutshof Britz, Berlin Neukölln

Die klassische rote Telefonzelle wurde 1924 von dem Londoner Architekten Sir Giles Gilbert Scott im Rahmen eines Designwettbewerbs für die britische Post entworfen. Sie diente einst der ungestörten, akustisch abgeschirmten Kommunikation über Fernsprecher. Die letzten Telefonzellen der Deutschen Telekom sind über die vergangenen anderthalb Jahrzehnte vollständig aus dem öffentlichen Raum verschwunden. Dabei steht dieses Stadtmöbel wie kein anderes für das menschliche Bedürfnis nach Ruhe im urbanen Raum. Ihre (vorläufig) letzte Ruhe fanden diese Telefonzellen zu Tausenden in einem Waldstück bei Berlin. Als Alternative zu dieser unwürdigen Bestattung erwachen einige Exemplare mancherorts als öffentliche Bücherschränke zu neuem Leben. Aber wäre es nicht auch eine Überlegung wert, die klassischen Telefonzellen als öffentliche Inseln der Ruhe im Stadtraum wiederzubeleben? Oder hätten sie dort gar keine Überlebenschance? Mit der rein fotografischen Abbildung eines Relikts urbaner Stille entzieht sich Bodo Hartwig ganz bewusst seinem angestammten Ausdrucksmittel – dem Klang. Durch diese Grenzüberschreitung konfrontiert er das Publikum mit dem Experiment, Klang oder Stille aus der Erinnerung oder der Fantasie heraus selbst zu rekonstruieren.