In der fernöstlichen Tuschemalerei galt Bambus neben drei Blütengattungen als das wertvollste der sogenannten „Vier Edlen Motive“. Gelehrte sahen darin eine Metapher für aufrechte Geisteshaltung und Standhaftigkeit. Deshalb umgaben sie sich gerne mit Bambus, um dem geistigen Verfall vorzubeugen.
Wer heute von Damyang spricht, im Südwesten Koreas, könnte Bambus meinen – denn dafür ist die Gegend mittlerweile auch international bekannt. Die „Heimat des koreanischen Bambus“ richtete 2015 die 10. Welt-Bambus-Expo aus und wurde bis dahin im eigenen Land vorwiegend als Zentrum der Bambusverarbeitung gesehen. In Zeiten des Klimawandels rückt die schnell nachwachsende und CO2-absorbierende Ressource zunehmend ins Blickfeld. Etwa ein Viertel des koreanischen Bambusbestandes steht heute in Damyang, einer Region gerade mal so groß wie das alte West-Berlin. Im Frühjahr, wenn die Halme ihre Blätter wechseln, beginnt gleichzeitig die Zeit des Sprießens – unzählige neue Triebe suchen ihren Weg nach oben. Bodo Hartwig hat aufmerksam zugehört.